
Fuffifufzich
Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen: Bei Fuffifufzich läuft alles – alles wie immer.
Auf den unwahrscheinlichen Publikumserfolg des Indie-Debüts „Heartbreakerei“ folgte ein Schritt nach dem anderen: Seit damals, eines Nachts in der Volksbühne, die Fans über Zäune geklettert waren, um den Mythos zu bezeugen, wie Fuffifufzich einem urknallartigen Heartbreak entschlüpfte, sich mit angeborener Sonnenbrille aufrichtete, die Haare nach hinten schmierte und ihren ersten Schrei tat, hallt Fuffis Urschrei for Love durch die Welt. Der Urschrei wurde zur Mission, die Liebe zur Maxime: Der rasanten Zeitreise des Zweitalbums „Feel zu spät“ folgte eine opulente Tour, Fuffifufzich brach – Cello und Geige im Rücken – im Großen Saal der Elbfeelharmony mit der Etikette des Hochkulturstadions und entfesselte das Publikum, das irgendwann auf Stühlen und schließlich auf der Bühne abtanzte. Schnitt zu euphorischen Fans im Stuttgarter Opernhaus. Schnitt zur größten Show ever so far beim Fusion Festival im Sommer 2026: Streicherinnensinfonien. Synthexplosions. Fuffi on the big Screen. Das Publikum wogt. Das Publikum jumpt. Das Publikum geht in die Knie. Die ZEIT prophezeit indes: „Wenn man in dreißig Jahren an einer (...) Kneipe vorbeiläuft (...), wird dort Fuffifufzich aus den Fenstern schallen, und wir werden grölen.“
Man hört Fuffifufzichs drittem Album „NEW ERA SAME ERROR“ (VÖ: 19.03.2027) an, dass es der Ära der Bedroomproduction entwachsen ist und sich im Tonstudio neu erfunden hat. Ikonisch wie eh und je schallen Jung TschoTschos a.k.a. Johannes Aues eklektische Synthproduktionen auf den Dancefloor und ins Herz und sind dennoch unbestreitbar transformiert, denn der vielschichtige Multi-Era-Sound hat an Tiefe gewonnen. Chorisch-theatral begleitet von Fuffis Ältestenrat, einem für das Projekt gegründeten Seniorinnenvokalensemble aus Berlin, verabschiedet sich die Künstlerin von einer alten Liaison und heißt in virtuosen Kompositionen eine neue Liebe willkommen – inklusive allem Alten, das diese mit sich bringt.
„NEW ERA SAME ERROR“ ist Zeugnis einer menschlichen Entwicklung in Albumform. Ein elegisches, humorvolles, herzliches Kunststück, eine Einsicht: Egal, wo wir neue Erfahrungen sammeln, unser altes Gepäck nehmen wir immer mit. Fuffis augenzwinkernder, flirtiver Charme ist unvergänglich, wird von der neugewonnenen Zartheit nur veredelt.

